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Frederik Lechner
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Sahara Race, Ägypten

„Wo immer Sonne scheint ist Wüste“ (aus Arabien)

Sahara Race, das heißt in 7 Tagen auf 6 Etappen, “self-supported” 250km durch die heißeste Wüste der Erde laufen. Das Sahara Race ist Teil der 4deserts-Laufserie von RacingThePlanet, die in den heißesten, windigsten, trockensten und kältesten Wüsten der Erde abgehalten wird.
Um mir erst einmal Bild zu verschaffen wie verrückt man dazu sein muss, habe ich mich 2006 als Volunteer, also als freiwilliger Helfer beworben um mit Pierre Beguin, dem Course-director aus Frankreich während dem Rennen die Strecke zu markieren. 2007 war ich dann bereit selbst an den Start dieser Herausforderung zu treten. Unten meine Berichte und Photos vom Training und aus der Sahara.


Pics by Frederik Lechner, Waoter Kingma/RacingThePlanet
Music by Byornemir, Motörhead, Monster Magnet, Nightwish

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Presse

Course Marking 2006

Nach einem Upgrade flog ich mit Swiss-Air in der Businessclass nach Kairo wo ich nach einer abenteuerlichen Taxifahrt nachmittags im Mövenpick-Resort in Kairo angekommen bin. Nachdem ich meinen Bungalow bezogen und meine Ausrüstung ausgepackt hatte lernte ich am Abend noch ein paar andere Volunteers kennen – Eric aus San-Francisco und Donald, vermutlich aus Texas. Für die ersten 3 Tage (Donnerstag – Samstag) war Volunteer-Training angesagt – das heißt man lernt wie man ein Funkgerät bedient, Checkpoints auf- und abbaut, Läufer motiviert etc. Am Donnerstag Abend waren wir zum Essen in Kairos Innenstadt eingeladen… unglaublich dass 9 Leute in ein Taxi passen und unglaublich dass man Brot isst, das auf dem Boden gebacken wird!
Da ich für das „Course-marking-Team“ vorgesehen war durfte ich schon am Freitag mit in die Wüste aufbrechen um am Samstag mit dem Markieren der „1st stage“ zu beginnen. Meine „Kollegen“ waren dabei: Pierre Beguin (Bergführer aus Frankreich der 15 Jahre lang technischer Direktor der Raid Gauloises war und sonst als Ski- und Raftinglehrer arbeitet) und Bill Spenney, der bei der NASA für die Entwicklung von Raumanzüge verantwortlich ist). Pierre beeindruckte mich sehr mit seiner Fähigkeit in nahezu jeder Lage und Situation schlafen zu können. Das Sahara-Race fand 2006 in der Western oder White desert Ägyptens, ein paar hundert km westlich von Kairo statt. Auf dem Weg dorthin machten wir noch in der Oase Baharia Halt, um noch einige Dinge zu beschaffen. Nebenbei machten wir uns noch ein wenig mit dem Kurs vertraut. Um halb 3 kamen wir endlich irgendwo im nirgendwo an und ich bezog müde aber glücklich mein erstes Wüstenbett.

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Am nächsten morgen war ich bei Sonnenaufgang überrascht mitten in der Wüste von Felsen umgeben zu sein. 9000 Liter Wasser waren außerdem schon angeliefert worden. Zum Frühstück gab es am Samstag nur einige getrocknete Datteln und so brachen wir früh auf, um die ersten 38km der Strecke zu markieren. Zum Markieren der Strecke sprangen wir ca. alle 50 - 100m vom Heck eines alten Landcruisers um eine Fahne in den Sand zu stecken.

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Die White Desert im Westen Ägyptens gilt als die heißeste Wüste der Erde. Dort gibt es erstaunlich viele Felsformationen, aber auch Sanddünen wie man sie aus dem Fernsehen kennt. Während den ersten Tagen sahen wir auf der Strecke auch hier und da eine vereinzelte Palme. Morgens und Abends Im Camp waren auch die Kamele der Sweepers zu sehen die das eine oder andere Mal auf eine interessante Art und Weise von Ihren Führern “betankt” wurden. Die Fahrkünste der einheimischen Fahrer waren sehr unterschiedlich, doch im Großen und Ganzen hatten wir keine Probleme durch die Wüste zu kommen.

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Am 2. Tag stellte ich fest, dass ich beim Course-marking das erhoffte Training bekommen würde. Insgesamt legten wir während der Woche die gesamte Strecke immer mindestens zwei Mal zurück. Einen Tag vorher um die Strecke zu markieren. Am 2. Tag um zu kontrollieren ob noch alle Markierungen in Position waren. Ab und zu stellten wir fest, dass die Wüstenfüchse unsere rosa Fähnchen nicht mochten, denn einige der im Wind knisternden Plastikfähnchen waren am Morgen in Fetzen gebissen. Insgesamt war die Sahara jedoch größtenteils unproblematisch zu markieren. Besonders anstrengend war es einen Streckenabschnitt auf einer langen Düne zu markieren.

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Am 4. Tag kamen wir mitten in der Wüste zu einer kleinen Oase die schon aus sehr großer Entfernung zu sehen war. Außerdem hatten wir einen Sandsturm, der die Teilnehmer beinahe von den Dünen geblasen hätte. Nachdem sich der Sturm nachts wieder beruhigt hatte, tranken wir am Lagerfeuer ägyptischen Tee.

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Für den 5. Tag hatten wir die „long stage“ mit 92km markiert. Der schnellste Läufer, Jimmy Olsen aus Dänemark brauchte dazu nur 10,5h, die langsamsten Läufer insgesamt 33h. Ich verbrachte die Nacht am Checkpoint bei 80km. Das letzte Camp war am Rand einer Oase und einer kleinen Ortschaft in der die Einheimischen in erstaunlich ärmlichen Verhältnissen leben. Strom und fließend Wasser sucht man dort vergeblich. Nachdem alle Läufer im Ziel waren wurden noch Geschenke an die einheimischen Kinder verteilt. 

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Nach einer mehrstündigen Busfahrt führte die letzte Etappe durch Kairo zu den Pyramiden und der Sphinx. Sieger war am Ende – nach einem spannenden Finish ein Däne, Jimmy Olsen, der am Tag vorher noch 3 Minuten Rückstand hatte und am Ende mit 7 Minuten Vorsprung ins Ziel kam. Im Ziel gab es so manchen bewegenden Augenblick – ältere Leute die ins Ziel kamen oder ein Pärchen das Hand in Hand über die Ziellinie lief.

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Das Bankett zur Siegerehrung fand in einem Restaurant in der Mitte eines Bazaars Kairos statt.
Das Sahara Race 2006 war meine erste Erfahrung dieser Art. Mit vielen Eindrücken aus einer ganz besonderen und wunderschönen Landschaft und einer Veranstaltung mit unheimlich interessanten Leuten trat ich am Sonntag wieder sehr glücklich die Heimreise an. Ein Jahr später wollte ich unbedingt wieder nach Ägypten reisen, wusste jedoch, dass ich dafür noch ein paar Kilometer zu trainieren hatte.

Race 2007

"Quick facts":

67 Läufer gingen an den Start. 53 sind bis ins Ziel gelaufen. 14 haben das Rennen nicht beendet. Gewinner des Sahara-Race war Andrew Murray, 29 aus Schottland der das Rennen in sagenhaften 30 Stunden, 11 Minuten und 44 Sekunden beendet hat, dicht gefolgt von Mark Tamminga, 49 aus Canada mit einer Zeit von 30:37:24. Beste Frau wurde Sandra McCallum, 45 ebenfalls aus Canada mit einer Gesamtzeit von 39:55:24. Langsamte Läuferin, die das Rennen nach hartem Kampf trotz allem beendet hat war Monica Otero aus Brasilien, die für die gesamte Strecke unglaubliche 83:01:43 in der Hitze auf den Beinen war.
Ich selbst habe das Rennen nach 40:18:08 als 12. beendet und habe damit überraschenderweise meine Altersklasse gewonnen. Die Temperaturen waren tagsüber bis zu 45°C in der Sonne. Die geringe Luftfeuchtigkeit und der meist wehende, teils sehr heiße Wind trockneten den Schweiß auf der Haut sehr schnell weg so dass man sich ständig zum trinken zwingen musste um nicht zu dehydrieren. Pro Tag waren das ca. 9 - 12 Liter.
Die Etappen waren 35, 38, 40, 37, 92 und 10km lang und führten über felsiges, sandiges und staubiges Gelände und Sanddünen der White Desert zwischen den Oasen Farafra und Siwa im Nordwesten Ägyptens - eine wunderschöne Landschaft die teilweise an die Landschaften in Star-Wars erinnert.
Nachfolgend eine detaillierte Beschreibung der einzelnen Tagesetappen, übersetzt und ergänzt aus meinem Blog während der Woche.

Im Detail:

Tag 1 - 35km von Camp Duricrust zum Camp Calcrete:
Nach unserer Ankunft in der Dunkelheit haben wir zunächst unsere Zelte bezogen. Ich machte Bekanntschaft mit Joany und Mark Tamminga aus Canada, Annette und Brian Herdman aus Great-Britain, Craig aus Schottland, Mark Bishop und Michael Wellsted aus Südafrika. Eine sehr interessante Mischung von Leuten. Vor dem Schlafen gab es im Camp ein leckeres Barbecue und einen wunderschönen Wüsten-Nachthimmel. Die Nacht war angenehm und wesentlich wärmer das Jahr zuvor. Mit unseren Beinen auf den Rucksäcken schliefen wir ein bis Brian ein ohrenbetäubendes Schnarchkonzert startete, das jedoch Mark kurzerhand mittels seines Laufstockes beendete...

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Vor dem Start um 09:00 Uhr am Sonntag morgen war ich nervös, mein Magen aufgewühlt und mein Puls viel zu hoch. Zudem beneidete ich Mark Tamminga um seinen Rucksack der mit 7,5kg um glatte 4,5kg leichter war als mein Eigener. Das erste Verbesserungspotential war somit schon gefunden. Nach dem Start folgte ich dem Großteil des Feldes. Nach der ersten Stunde fühlte ich mich besser und besser und musste mich beherrschen um mich nicht völlig zu verausgaben. Mary (CEO von RacingThePlanet) ermahnte mich am 1. und 2. Checkpoint mit “take it easy Frederik”. Die Strecke verlief die ersten 20km durch abwechslungsreiches Gelände, meist sandig durch bizarre Felsformationen. Auf der Strecke nach dem 2. Checkpoint ging mir und vielen anderen das Wasser aus, so dass wir ziemlich ausgetrocknet am 3. Checkpoint ankamen. Inzwischen war mir auch klar wie heiß es hier wurde. Auf dem letzten Streckenstück ging es nochmal über einige Dünen hinter denen schließlich die erste "Finish line" und das Camp lagen. Ich lief als 7. ins Ziel, dicht gefolgt von Sandy McCallum, die Frau mit den meisten Extremläufen pro Jahr, was ich jedoch erst nach der ersten Etappe erfahren hatte. Zwischen dem 1. Checkpoint und dem Camp hatte ich mir mit Sandy ein ziemlich kräfte raubendes Rennen geliefert. Die meiste Zeit war Sie vor mir, am Schluss hinter mir. Christine war überrascht und froh mich wohl auf im Ziel zu sehen. Ich selbst war ebenfalls sehr überrascht als 7. im Ziel zu sein. Nachdem sich mein Magen an diesem Tag nicht mehr beruhigen wollte konnte ich nicht viel Essen und beschloss somit den nächsten Tag ruhiger anzugehen. Die Woche war schließlich noch lang und das erste Ziel war ankommen.

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Tag 2 - 38km von Camp Calcrete zum Camp Belemnite:
Nach einem wunderschönen Sonnenaufgang im Camp war der Start war für 07:00 Uhr angesetzt um die frühen, noch relativ "kühlen" Stunden zu nutzen. Mein Magen fühlte sich noch nicht besser an. Nach starken Zweifeln an meiner Kondition ging ich gemeinsam mit Mark Bishop aus Südafrika die Etappe ruhiger an. Auf den ersten 10km hatten wir einige Höhenmeter auf weichem Untergrund zu überwinden. Zum ersten Mal verstand ich die Leute die letztes Jahr den kleinen Franzosen, Pierre unseren Course director am Liebsten auf den Mond geschossen hätten. Am 2. Checkpoint ließ ich Mark zurück, da er seine Blasen behandeln lassen musste. Gemeinsam mit meinem "Tentmate" Craig, einem schottischen Leibwächter, der im Irak arbeitet ging ich weiter, ließ ihn jedoch auch bald zurück und schlug mich zum 3. Checkpoint durch, wo ich den Sand aus meinen Schuhen leerte und ordentlich Wasser zu mir nahm. Inzwischen war es wieder brütend heiß und ich genoss die erfrischenden “Spritzers” der Volunteers am Checkpoint. Bei der Gelegenheit überholte mich "Mad Mike" (Michael Wellsted aus Südafrika) der an diesem Tag einen guten Gang hatte. Das 2. Zeitsparpotential war gefunden - halte dich nicht zu lange an Checkpoints auf! Mike holte ich bis zum Ziel nicht mehr ein. Nach einem langen Marsch durch die sengende Hitze erreichte ich schließlich doch noch als 20. das Ziel wo wieder Christine auf mich wartete und froh war als ich endlich im Ziel war.
Am Nachmittag konnte ich endlich wieder richtig essen. An meinen Fersen kündigten sich die ersten Blasen an, da meine Füße ans Laufen und nicht ans Gehen gewöhnt waren. Von Mark Tamminga (dem Gewinner der Atacama Crossing 2006 und des Gobi March 2007) lernte ich an diesem Tag sehr viel über die Behandlung von Blasen und die richtige "Tape-Technik". Mark Bishop war bei seiner Ankunft im Zelt wie immer gut gelaunt und erzählte von "Dr. Schnipp", alias Eberhard Frixe mit dem er in der Gobi in einem Zelt campierte, während er seine Blasen verarztete. An diesem Tag hatten viele Leute Probleme mit der großen Hitze und so kamen einige Läufer erst in der Dunkelheit im Camp an.

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Tag 3 - 40km von Camp Belemnite zum Camp Erg:
Nach einem weiteren Start um 07:00 Uhr startete ich mit zwei meiner Zeltkameraden, Mark Bishop und Michael Wellsted, einem Südafrikaner der in Hong-Kong lebt auf die 3., 40km lange Etappe auf der wir nach ca. 20km die ersten echten Sanddünen des Sahara-Race zu sehen bekamen. Wir überquerten eine riesige Ebene von der man in allen Himmelsrichtungen nichts als Sand sehen konnte. Nach einer Weile sahen wir am Horizont 7 kleine schwarze Punkte die wir bis zum Ziel noch einholen wollten. 5 sollten es bis zum Ziel werden. Mark und Michael erzählten die meißte Zeit Witze, die ich an dieser Stelle leider nicht wiederholen kann. Wir hatten trotz der Hitze und der Anstrengung viel Spaß zusammen. Nach weiteren 5km wurde das Terrain schwierig denn wir mussten für 8km auf dem Grat einer 20m hohen Sanddüne zurücklegen. Bis dahin hatte ich mit meinen beiden Kameraden unheimlich viel Spaß auf der Strecke. Auf den Dünen versuchte Mike Zeit zu gewinnen und preschte voraus. Die Dünen erklom er in seiner speziellen Scating-Technik wie ein Langläufer, was irgendwie fehl am Platz wirkte und Ihn viel Kraft kostete. Kurz vor dem 3. Checkpoint holten wir Ihn wieder ein. Ich hatte mich bis zu diesem Zeitpunkt zurückgehalten und fühlte mich gut, so dass ich am letzten Checkpoint Mark und Michael zurück ließ und die restlichen 10km bis zum Ziel lief, wo ich als 25. ankam.
Inzwischen ging es mir mit Ausnahme meiner Blasen an den Fersen wieder richtig gut und ich konnte 2 ganze Mahlzeiten zu mir nehmen. Ein Highlight des Tages war sicherlich die Injektion einer Jod-Lösung in meine beiden Blasen an den Fersen... ein unvergessliches Erlebnis, aber ich wollte es ja so. Mein Magen war wieder in Ordnung und ich fühlte mich gut. Mark und Joany motivierten mich dazu die nächste Etappe endlich wieder etwas sportlicher anzugehen, was ich mir für den nächsten Tag dann auch vorgenommen hatte.

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Tag 4 - 37km von Camp Erg zum Camp Bedrock:
Bei kühlen Temperaturen am frühen morgen und kompaktem Sand unter meinen Füßen konnte ich endlich wieder richtig laufen. Bis zum ersten Checkpoint hatte ich einigen Boden gut gemacht, bis zum 2. noch mehr. Nach und nach überholte ich die vor mir Laufenden bis zum 3. Checkpoint bei einer kleinen Oase. Inzwischen konnte ich mir meine Position anhand der Fußabdrücke im Sand  ausrechnen was mich zusätzlich motivierte. Kurz vor der Oase wurde der Untergrund immer steiniger und ich lief mir einen dornförmigen Stein in meinen Schuh, der meine Sohle inklusive der Innensohle durchbohrte und unangenehm in meine Ferse "piekste". Am 3. Checkpoint war also eine kurze Not-OP am Schuh nötig. Obwohl mich die Volunteers dort lautstark empfingen und Ihren “Pool” anpriesen ließ ich das Bad in der Oase aus. Vor mir war schließlich Scott Corsie aus Canada in Reichweite den ich inzwischen als ernsthaften Konkurrenten ausgemacht hatte. Anhand der Spuren im Sand wusste ich, dass heute die Top 10 greifbar waren. Nach ca. 32km wurde es wieder extrem heiß, der Untergrund weich und die Geschwindigkeit entsprechend langsam. Scott verschwand wieder außer Reichweite doch ich wollte nicht aufgeben, noch nicht. 2 bis 3km vor dem Ziel ging mir wieder einmal das Wasser aus, was mir zu diesem Zeitpunkt ziemlich auf das Gemüt schlug, da vom Camp weit und breit nichts zu sehen war. Einen Kilometer später erspähte ich endlich doch 2 rosafarbene Flaggen auf einer Sanddüne die das Camp ankündigten. Ich setzte nochmal zum Laufen an um kurz vor dem Ziel Scott den 8. und auch den 9.-platzierten des Tages einzuholen und lief als 10. über die Ziellinie - von Mark Tamminga hatte ich etwas über guten Stil gelernt.
Im Ziel holte ich mir bei Christine meine 4 x 1,5 Liter Aquafina ab und machte mich auf den Weg ins Zelt. Auf dem Weg dorthin bekam ich Nasenbluten und machte deshalb erst noch einen “Pitstop” im Medtent. Bei der trockenen Luft trocknet auch die Innenseite der Nase stark aus. Schmieren und salben hilft jedoch nicht nur im Maschinenbau und so behandelte ich die Innenseite meiner Nase ordentlich mit Creme bzw. Hydropel. Das Camp lag zwischen einigen großen Felsen die wir am Abend bestiegen um den Sonnenuntergang zu beobachten. Von dort oben hatte man einen tollen Blick auf das Camp und konnte die letzten Läufer schon in der Ferne kommen sehen. Als noch Masashi, einer der Fotografen am Fuß des Hügels auftauchte hatte Joany eine verrückte Idee und schrie - “let’s moon him”, was wir dann auch alle gemeinsam machten. Das Bild davon ist leider nicht jugendfrei.
Am Nachmittag und Abend fühlte ich mich stark, konnte essen und trinken und fühlte mich für die am nächsten Tag anstehende Königsetappe von 92km ganz gut gerüstet. Auch das Gepäck hatte inzwischen ein akzeptables Gewicht erreicht. Trotzdem war da noch die große Ungewissheit wie man nur so eine lange Strecke gehen oder gar laufen kann... die immer größer werdenden Blasen an meinen Fersen mussten vorher ebenfalls noch verarztet werden.

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Tag 5/6 - 92km vom Camp Bedrock zum Camp Oasis:
Es war also soweit - 92km! Ein windiger Tag. Am Morgen pfiff der heiße Wind um und in unser Zelt. Ich beneidete die Gruppe der langsameren Läufer die um 06:00Uhr starten durften, da dies mindestens 3 Stunden kühlere Temperaturen bedeutete - aber nevermind. Ich war zu diesem Zeitpunkt an 17. Position und wollte noch etwas Boden gut machen. Allerdings durfte ich aus organisatorischen Gründen erst mit den ersten 20 um 09:00 Uhr starten. Nach einem ca. 2km langen Anstieg auf weichem Sand erreichten wir ein schier endlos erscheinendes Plateau auf dem uns ein noch stärkerer Wind entgegen blies.

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Ab dem 2. Checkpoint bei ca. 20km gab ich es auf zu laufen und ging im Stechschritt weiter. Scott überholte mich schon wieder und verschwand in der Ferne... Wenig später überholte ich Duncan, einen weiteren Schotten der die ganze Woche mit den Topläufern durch die Wüste preschte, jedoch an diesem Tag einbrach und die Etappe nicht beenden konnte. Die Gruppe der Topläufer war längst am Horizont verschwunden. Die Konkurrenz war mir auf den Fersen und ich musste mit Schrecken feststellen, dass mir an diesem Tag eventuell das Essen ausgehen würde. Am 4. Checkpoint holte mich mein israelischer Mitstreiter, Kobi Itzchaki, 38 ein. Gemeinsam machten wir uns abwechselnd laufend und gehend auf den weiteren wechselhaft steinigen und sandigen Weg zum Ziel. Nach und nach überholten wir einzelne Läufer und Geher, inzwischen auch viele die schon am frühen Morgen gestartet waren. Scott holten wir ebenfalls bei ca. 50km wieder ein, der dann jedoch nochmals beschleunigte und wieder einen Vorsprung aufbauen konnte. Als es dunkel wurde motivierte Kobi mich und ich Kobi, ohne lange Pausen weiter zu gehen und zu laufen. Bei ca. 60km machte ich mir ernsthafte Sorgen, da meine Verpflegung zu Neige ging. Sie sollte jedoch bis ins Ziel reichen nachdem ich tief in meinem Rucksack noch eine Tüte Bananenchips gefunden hatte. Kurz nach dem vorletzten Checkpoint erspähten wir ein rotes Blinklicht vor uns... vielleicht Scott? Ja, wir hatten ihn wieder eingeholt! Angetrieben vom Licht einer Stirnlampe hinter uns hatten wir nochmals alles gegeben und Scott, den hartnäckigen, doch jetzt hinkenden Kanadier eingeholt. Die letzten beiden Checkpoints passierten wir, angetrieben von unseren Verfolgern ohne langes Zögern und liefen bzw. schleppten uns die letzten 15km durch weichen Sand, durch eine Oase und schließlich über einige Sanddünen zum Ziel, das wir kurz vor halb 1 morgens, nach 15:30:52 stehend K.O., aber glücklich erreichten.
Auf den letzten Kilometern hatte ich Pierre endgültig verflucht, denn er hatte die Strecke vom Vojahr völlig verändert, so dass ich überhaupt kein Gefühl mehr hatte wie weit es noch war. Wie auch immer, im Ziel erwartete mich Mary Gadams, Gründerin und C.E.O. von RacingThePlanet mit den Worten "You should be so proud of yourself" - was ich zu dem Zeitpunkt auch war. Die Zweifel die mich zu Beginn der Woche plagten waren wie weggeblasen. Das Training und die wochenlange Vorbereitung hatte sich bezahlt gemacht. Die Nacht verbrachte ich todmüde, mit schmerzenden Beinen und Füßen, aber glücklich im Zelt. Nachdem ich ein paar Schmerztabletten genommen hatte konnte ich endlich schlafen. Ich hatte es geschafft.

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Den 6. Tag verbrachten wir wartend im Schatten unserer Zelte in der Nähe einer Oase von der viele Kinder kamen um das Spektakel und uns zu beobachten. Alle hofften von uns Fremdlingen etwas ergattern zu können. Am späten Nachmittag wurden von der Organisation wie letztes Jahr Spielsachen, Bücher und Stifte an die einheimischen Kinder verteilt, die damit teils glücklich, teils streitend wieder in ihr Dorf verschwanden. Nach 33:19:10 kam schließlich auch die letzte Läuferin unter dem Jubel der restlichen Läufer, dicht gefolgt von den "Sweepers" ins Ziel. Ich bewunderte den eisernen Willen mit dem man sich so lange auf den Beinen halten kann. Am Abend gab es noch wie üblich Geburtstagskuchen für alle bevor wir uns zum letzten Mal in unser Bett in der Wüste legten.

Tag 7 - 10km durch Cairo zu den Pyramiden von Gyzee:
In der Nacht machten wir uns um 2:30Uhr in Bussen auf den Rückweg nach Cairo wo uns die letzte Etappe mit 10km zu den Pyramiden führte. Die Starts fanden an einer Straße ca. 10km von den Pyramiden entfernt um 10:00Uhr bzw. 11:30Uhr statt. Ich hatte zunächst noch ernsthaft vor Sandy ihre 20 Minuten Vorsprung abzunehmen, was sich jedoch schon nach 30 Sekunden erledigt hatte, denn ich hinkte wegen meiner Blasen und Sandy war im Gewirr aus Läufern, Autos und Großstadtmüll vor mir verschwunden. Also versuchte ich noch das Beste daraus zu machen und lief so gut es eben ging. Für die Autofahrer muss der Anblick total verdreckter, teils laufender, teils hinkender Läufer inmitten dieses Chaoses geradezu grotesk erschienen sein, denn wir liefen an einer typisch chaotisch-ägyptischen, 2-spurigen Straße entlang, an der sich Pierre letztes Jahr beim Markieren der Strecke das Bein verletzt hatte. 15 Minuten vor dem Ziel holte ich Sandy doch noch ein und nach einem Slalom zwischen Häusern in der Nähe der Pyramiden erreichte ich die "Finish line" unmittelbar bei den Pyramiden nach 01:08:02 wo mir Christine die Finisher-Medaille umhängte.

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Die Schmerzen in meinen Fersen waren für diesen Moment wie weggeblasen. Im Schatten der wartenden Busse gab es Pizza von Pizzahut und ein kühles ägyptisches Bier das nach dieser Woche sogar gut schmeckte. Vor der Abfahrt wurden noch etliche Erinnerungsphotos geschossen bis schließlich alle Läufer im Ziel waren. Nach einer ausgedehnten Dusche im Hotel war für 17:30Uhr das Festbankett mit Siegerehrung angesetzt bei dem ausgelassen gefeiert wurde. Alle waren müde aber glücklich diese besondere Erfahrung gemacht zu haben. Krönender Abschluss war für mich der Gewinn meiner Altersklasse. Für das nächste Jahr habe ich mich mit Mike noch am selben Abend darauf geeinigt zum Gobi-March in China anzutreten.

Fazit:

  • Ausrüstung: meine Ausrüstung kann noch verbessert werden. Als nächstes werden das Gewicht und das Volumen reduziert. Ziel ist <10kg und <30 Liter.
  • Lauftreff: Nächstes Jahr werde ich ein Schuler-Lauftreff gründen. Es müssen sicher ein paar Kollegen zu finden sein die mit mir ein Team bilden und hier und da einmal zu einem Wettkampf antreten.
  • Spenden sammeln ist nicht so einfach. 4 Wochen nach dem Lauf konnte die Deutsche Krebshilfe mir noch nicht sagen ob und wie viel gespendet wurde. Das heißt es wurde entweder gar nicht gespendet oder die Spenden wurden noch nicht richtig zugeordnet. Das ist möglich da bei der Deutschen Krebshilfe das System umgestellt wurde. Für den nächsten Lauf habe ich mir vorgenommen die Aktion besser anzukündigen.
  • Ob als Volunteer oder Läufer - bei diesen Läufen trifft man interessante Leute aus der ganzen Welt und es ergibt sich die eine oder andere Bekannt- und Freundschaft.
  • Fernab von der Zivilisation ohne störende Autos oder gar Hubschrauber durch die Wüste zu laufen ist ein ganz besonderes Lauferlebnis. Ich werde jedoch niemanden dazu überreden. Diese Erfahrung muss man selbst gemacht haben um die Begeisterung zu verstehen. Christine hat als Volunteer einen ersten Eindruck gewonnen. Mal sehen was daraus wird.
  • Schmerzen sind relativ. Ich kann mich schon kaum mehr erinnern, oder wie Adidas sagt: “Impossible is nothing”.

Als nächstes?

  • Volunteer in Chile zur Atacama-Crossing 2008
  • Racer in China beim Gobi-March 2008 und ab und zu ein Marathon und/oder Berglauf.

Dank -
An alle die mich unterstützt haben:

  • Christine für Ihre Unterstützung vor allem während dem Training aber auch während dem Lauf,
  • Stephan bei der Trainingsplanung,
  • Eberhard für seinen Rat bezüglich der Ausrüstung,
  • alle die mich während des Laufes per email oder im Blog unterstützt haben. Es war super zu sehen dass Ihr zu Hause mitfiebert!

Besonderen Dank an alle die eine Spende an die Deutsche Krebshilfe geleistet haben. Der aktuelle Spendenstand wird unter
www.fclechner.de/html/1000km_gegen_krebs.html aktualisierst. Es kann auch weiterhin gespendet werden Die Aktion läuft bis ich die 1000km zusammen habe.

Vielen herzlichen Dank nochmals!
Frederik.

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