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Frederik Lechner
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Gobi March, China

„Es gibt keinen Grund zu gehen“ (Eberhard Frixe)

Gobi March bedeutet wie in der Sahara in 7 Tagen auf 6 Etappen, “self-supported” 250km durch die windigste Wüste der Erde zu laufen. Der Gobi March ist Teil der 4deserts-Laufserie von RacingThePlanet, die in den heißesten, windigsten, trockensten und kältesten Wüsten der Erde abgehalten wird. Um mir wieder zuerst einmal ein Bild zu verschaffen war ich 2007 als Volunteer beim Gobi March um mit Pierre Beguin und Dave Annandale, die Strecke zu markieren. Im Juni 2008 war ich dann als Läufer am Start.. Unten meine Berichte und Photos vom Training und aus der Gobi.

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Pics by Frederik Lechner, Waoter Kingma/RacingThePlanet
Music by ...

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Presse

Course Marking 2007

Nach einer langen Anreise von Stuttgart über Frankfurt, Peking und Urumqui nach Kashgar kam ich schließlich am Donerstag Abend in einem brandneuen Hotel in der Mitte Kashgars in der Provinz XinJiang an. Zuvor hatte ich noch 2 Tage in Peking und eine Nacht in Urumqui verbracht. Einen Bericht dazu gibt es hier. Am Freitag startete ich mit Pierre Beguin und Dave Annandale aus England von Kashgar über den Karakorum-Highway in Richtung Pakistan. Pierre bewies einmal mehr, dass er wirklich in jeder Position schlafen kann. Nach einigen Stunden passierten wir an der höchsten Stelle des Passes den dritthöchsten Berg des Pamir-Gebirges in China - Muztagata mit 7546m. In Kashkorgan machten wir noch einige Besorgungen und tankten unsere Fahrzeuge nochmal voll. Nach einer weiteren langen und abenteuerlichen Fahrt durch ein enges Tal kamen wir schließlich am Freitag Abend an unserem Ziel irgendwo im Karakorum-Massiv an. Da das Wetter schlecht war bezogen wir nachdem wir uns noch mit einer Suppe gestärkt hatten in einer öffentlichen Schule Quartier.

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Am nächsten Morgen war es kalt, aber das Wetter war wesentlich besser als am Abend zuvor und so machten wir uns auf den Weg um die Strecke zu markieren. Die Strecke führte zunächst auf einer unebenen Straße durch ein tiefes Tal wo wir hin und wieder die Seiten wechselten um den Weg für die Läufer interessante zu machen. Immer wieder trafen wir dabei auf Einheimische in bunten Kleidern. Besonders interessant war die Brückenbautechnik über den Fluss. An den Ufern des Flusses wird dort intensiv Ackerbau betrieben und Obstbäume kultiviert.

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Das Tal wurde hin und wieder von großen Stahlbrücken überspannt über die man auch mit Fahrzeugen fahren konnte. Häufig werden dort auch künstliche Bewässerungskanäle angelegt durch die Wasser vom Fluss auf die Felder und die Baumplantagen abgezweigt wird. Ackerbau wird in diesem Tal noch wie bei uns früher mit Ochsen und einem Holzpflug betrieben.

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Zwischen der 2. und 3. Etappe musste die gesamte Organisation mit allen Fahrzeugen einen 120km langen Umweg zurücklegen, während die Läufer die Nacht in den Häusern einiger Einheimischer verbrachten. Auf dem Weg zur nächsten Campsite mussten wir einige Flüsse durchqueren, stecken gebliebene Fahrzeuge wieder frei machen, die Straße von Steinschlag befreien. Unterwegs sahen wir auch wie dort das Getreide eingebracht wird. Nach 16 Stunden Fahrt erreichten wir schließlich um 04:00Uhr morgens die Stelle an der das nächste Camp aufgebaut werden sollte. Zuvor mussten wir mit allen Fahrzeugen ein nasses, matschiges Tal hochfahren wobei ich anfangs nicht gedacht hätte, dass wir diese Steigungen bei diesem Untergrund zurücklegen können würden.

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Am nächsten Tag mussten die Läufer einen 4000m hoch gelegenen Bergpass überqueren, wo Sie von einem Blizzard überrascht wurden. Einige Volunteers hatten in der Nacht zuvor das Wasser für den Checkpoint mit Eseln dort hinaus transportiert und auf dem Pass übernachtet. Wir mir Dr. Grant berichtet hatte eine kalte Erfahrung in der Nacht. Am Morgen führte ich eine fast endlose Diskussion mit den chinesischen Fahrern um einen dieser starrköpfigen Zeitgenossen zu überzeugen mit mir Tal aufwärts zum nächsten Checkpoint zu kommen. Hätte ich es nicht geschafft, hätten die Läufer zwischen dem Bergpass und dem Camp ohne Wasser auskommen müssen. Glücklicherweise  ließ sich einer der “Brüder” doch noch dazu breitschlagen mitzukommen und so schafften wir es rechtzeitig den Checkpoint für Dr. Emma Dawber, die Frau von Dave Annandale in Position zu bringen. Anschließend bestieg Ich den Pass von der Gegenseite um nochmals die Streckenmarkierung zu überprüfen. Nachdem ich in der Nacht nur 2 Stunden geschlafen hatte legte ich mich oben auf dem Pass erst einmal für 2 Stunden ins Zelt. Als ich wieder aufwachte kamen schon bald die letzten Läufer mit den Sweepern zum Pass. Einen Läufer mussten wir mittels eines Kamels evakuieren da er in einer sehr schlechten Verfassung war. Als wir im Camp ankamen war es wieder dunkel und kalt und zum Essen waren wir zu müde.

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Am nächsten Morgen scheinte endlich einmal wieder die Sonne, nachdem wir die ersten Tage ständig wechselndes Wetter, Kälte und  Regen ertragen mussten. Insgesamt stellt man sich die Wüste anders vor. Die 4. Etappe endete wieder in einem trockenen Tal. Von dort aus starteten Pierre und ich erst am Abend um 19:00Uhr um die lange Etappe mit ca. 80km zu markieren. Wir hatten ausgemacht auf der anderen Seite eines weiteren Bergpasses Dave mit unserem Auto zu treffen. Als wir dort waren war weit und breit nichts von Dave zu sehen und so gingen wir einfach in der Hoffnung weiter ihn irgendwann zu treffen. Irgendwann sollte am nächsten Morgen um 05:00Uhr nach ca. 40km Strecke am Rande eines Flusses sein... Nachdem wir den Fluss erreicht hatten wollten wir uns eine Weile schlafen legen, doch 5 Minuten nachdem wir unsere Schlafsäcke ausgepackt hatten hörten wir den nahenden Jeep. Pierre fluchte, ich dachte - mir Wurscht. Und so verschwand Pierre mit Dave wieder das Tal hinauf um auch dort einen Checkpoint in Position zu bringen, während ich 2 Stunden schlafen konnte. Als ich aufwachte war es hell geworden und es hatten sich einige Locals um mich versammelt, die mich verwundert mit großen Augen angafften. Die Schaufeln die sie bei sich trugen um ihre Bewässerungskanäle zu öffnen und zu schließen machten mir ein mulmiges Gefühl und so machte ich mich aus dem Staub nachdem ich einige leere Plastikflaschen als “Geschenk” zurückgelassen hatte. Als Dave und Pierre endlich wieder zurückkamen waren wir zeitlich unter Druck, denn die restliche Strecke der langen Etappe musste noch markiert werden. Der Regen der letzten Tage machte uns das Leben hier nochmal schwer, denn die zuvor kleinen Rinnsale waren nun reisende Flüsse und so mussten noch Fixseile und andere Hilfsmittel für die Läufer gefunden und installiert werden. Highlight des Rennens war unter anderem ein Eselkarren der die Läufer von einem Ufer zum anderen brachte. Nachdem wir die Strecke mittags um 15:00Uhr endlich vollständig markiert hatten schliefen Pierre, Dave und ich in unserem Zelt todmüde ein und wachten erst wieder morgens um 03:00Uhr auf.

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Am nächsten Tag machten wir uns auf den Rückweg nach Kashgar wo wir die letzte Etappe markieren mussten. Auf dem Weg dorthin gönnten wir uns Suppe, Nudeln und Kebab, frisch gegrillt selbstverständlich.  Zurück in Kashgar markierten wir die Strecke und checkten anschließend wieder im Hotel ein. Die erste Dusche nach einer Woche war wie schon in der Sahara ein ganz besonderer Genuss. Am nächsten Morgen mussten wir die gesamte Strecke nochmals kontrollieren, denn wie immer verschwinden viele Markierungen in der Nähe der Zivilisation. 

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Das Ziel war an diesem Tag direkt vor der Moschee in Kashgar wo es wie üblich Pizza, Bier und Softdrinks für alle gab. Das obligatorische Photo der Course-marking-crew machten wir direkt vor der Moschee. Zurück im Hotel gönnten wir uns noch dreckig wie wir waren ein kühles Bier.

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Nach einer anstrengenden Woche machte ich mich wieder auf den langen Heimweg. 2008 wollte ich wieder zurückkommen. Vorher wollte ich jedoch zusammen mit Christine noch meinen neuen Freunden Emma und Dave einen Besuch in England bzw. Schottland abstatten. Im Flugzeug ließ ich die Erlebnisse der Woche Revue passieren während ich Red Hot Chili Peppers hörte und musste grinsen.

Race 2008

Quick facts:

173 Läufer gingen an den Start der 250km langen Strecke rund um Kashgar in der Provinz Xinjiang im Westen Chinas. Die Etappenaufteilung reichte von 35 bis 42km auf den ersten 4 Etappen, 80km für die lange, 5. Etappe und 15km für die letzte Etappe die mit einem großartigen Zieleinlauf in einer öffentlichen Schule endete. Ryan Sandes, 27 aus Südafrika hat die Gesamtwertung vor Siu Keung Tsang aus Hong-Kong und Juan Encina aus Chile gewonnen. Schnellste Frau war Lia Farley, als insgesamt 8. aus den USA- “Marathon-Man” Dean Karnazes aus den USA wurde insgesamt 4. und hat damit seine Altersklasse gewonnen.
Ich selbst konnte das Rennen als 14. der Gesamtwertung nach Kobi Itzchaky aus Israel beenden. 15 Leute schieden während der Woche aus. Die Temperaturen lagen nachts um die 15-20°C und tagsüber zwischen 30 und 40°C. Von Regen und Kälte blieben wir dieses Jahr verschont. Die Strecke war äußerst abwechslungsreich und führte uns durch Wüstenabschnitte, ausgetrocknete und nasse Flussbetten, auf und über Berge, Plantagen und Felder, teils sehr schwieriges Terrain. Am schlimmsten waren die Abschnitte die über lange Strecken durch Geröllfelder führten da man sich dort sehr leicht verletzten konnte.
Nachfolgend eine detaillierte Beschreibung der einzelnen Tagesetappen, übersetzt und ergänzt aus meinem Blog während der Woche.

Im Detail:

Tag 0 - Vorbereitung, Anreise, Ankunft in Kashgar und im Camp1
Nach wochenlangem Training und der Zusammenstellung meiner Ausrüstung war ich wie immer in der letzten Minute bereit aufzubrechen. Das Ergebnis des Trainings und der Vorbereitung war mal wieder ein Kampfgewicht von 82kg (für einen Ultraläufer wohl immer noch zu schwer, aber wie meine Freund und Bekannten wissen habe ich sehr schwere Knochen...) und ein Rucksack mit einem Gewicht von 8,5kg, was einer Gewichtsersparnis von 4,5kg im Vergleich zur Sahara entspricht. Pro Tag hatte ich ca. 2800kCal eingeplant womit ich mich auf hungrige und kalte Nächte eingestellt hatte. Wer sich noch an meinen Blog aus der Sahara erinnert, weiß jedoch dass ich damals beschlossen hatte nicht noch einmal mit einem Gewicht von mehr 10kg Gepäck an den Start zu gehen. Dieses Mal war also alles sorgfältig vorbereitet, die Kalorien gezählt, Chips zermahlen, Olivenöl, Salz und Pfeffer eingepackt um das Essen zu verfeinern, Parmesan und getrocknete Tomaten als “Schmankerl” in Alufolie eingepackt und alles pro Tag fein säuberlich in Zip-loc-Bags portioniert. Die restliche Ausrüstung war ebenfalls abgespeckt - eine neue Stirnlampe Petzl e-lite, trockene “feuchte” Tücher von insta-cloth,  abgezähltes Toilettenpapier, neue kurze Tights, frische Injinji-Socken für jeden Tag und nicht zuletzt ein neuer Rucksack von Raidlight mit nur 750g Gesamtgewicht.
In der Nacht vor dem Abflug musste ich noch meine 7 Sachen in meinen Koffern unterbringen, meinen Blog aufsetzen, eine Rundmail versenden, Pass und Tickets kopieren, meinen ipod laden und und und ... Am Donnerstag morgen holte mich dann Pit ab um mich zum Flughafen nach Stuttgart zu fahren.

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Die Anreise nach Kashgar über Frankfurt, Peking, Urumqui verlief reibungslos. Alle Flüge waren pünktlich und auch mein Gepäck kam vollständig an. Auf Grund der Gepäckbestimmungen hatte ich beschlossen alles Essen, Recovery-drinks etc. einzuchecken. Bei vier Kontrollen des Handgepäcks war das Risiko das in Tütchen verpackte weiße Pulver erklären zu müssen einfach zu groß...
Da war ich also Freitag Nacht zurück in Kashgar am anderen Ende der Welt und wartete darauf wieder in die Wüste aufzubrechen. Am Flughafen in Urumqui traf ich meinen Tentmate aus der Sahara “Mad Cow” Michael Wellsted aus Südafrika und Kobi Itzchaky aus Israel mit dem ich auch schon letztes Jahr durch die Sahara gelaufen bin. Am Freitag, den 07.06. war für 12:00Uhr der obligatorische Ausrüstungscheck angesetzt. Trotz des Trainings und meinem optimierten Gepäck wurde ich langsam aber sicher wieder nervös, wie damals in der Sahara... Nichtsdestotrotz überwog die Vorfreude auf das Rennen und ich war mir sicher, wieder eine gute Zeit und viel Spaß in der kommenden Woche zu haben, solange mein linkes Sprunggelenk mitmachen würde. Ich freute mich auch schon auf die Unterstützung aus der Heimat in meinem Blog und per email und hoffte fit genug zu sein um den Daheimgebliebenen etwas Unterhaltung bieten zu können.  Insgesamt war das Training vielleicht etwas weniger intensiv als für das Sahara Race, aber ich hoffte, auf Grund meiner Erfahrungen aus der Sahara und dem optimierten Gewicht auf meinem Rücken den Gobi March in einer guten Zeit laufen zu können. Eine gute Gelegenheit zu trainieren hatte ich außerdem bei der Atacama Crossing in Chile im April wo ich wieder die Strecke markierte und beim anschließenden Bergsteigen auf den Vulkanen Lascar (5350m), Chiliques (5600m) und Pili (6048m) um San Pedro.  Ich sollte später sehen ob das Training ausreichend war.
Nach einer 5-stündigen Busfahrt von Kashgar zum ersten Camp kamen wir in einem abgelegenen Tal an, wo uns die Einheimischen in bunten Kostümen, winkend mit roten Fähnchen erwarteten. Nach einigen freundlichen Worten der lokalen Verwaltung und der Organisatoren von RacingThePlanet wurden noch Spenden zur Unterstützung der Erdbebenopfer übergeben. Anschließend gab es einige lokale Gesangs- und Tanzvorführungen, gefolgt von einem Pferderennen im angrenzenden Flussbett. Am Abend bekamen wir dann zum letzten Mal richtiges Essen von der Organisation - der sogenannte “last supper”. Dazu gab es Suppe, Nudeln, Kartoffeln, gegrilltes Rind und Hühnchen und Salat. Ich war inzwischen wieder nervös, denn mein Magen kündigte den nahenden Start an. Ich war mir sicher, dass ich am nächsten Morgen wieder sehr nervös sein würde und nahm mir auf Grund meiner schlechten Erfahrungen auf der ersten Etappe in der Sahara ernsthaft vor, den ersten Tag langsam anzugehen. Doch ich kannte mich gut genug um zu wissen dass das nicht einfach werden würde...

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Tag 1 - 38km “Canyons, Kamele und Gobi”
Die erste Etappe war 38km lang, heiß, mein Magen fühlte sich nicht gut an und kurz vor dem Ziel bekam ich die ersten Krämpfe in meinen Beinen. Aber, ich konnte gut Essen und fühlte mich schon kurz nach dem Zieleinlauf wieder gut gestärkt. Meine Zeit war 4h55, die durchschnittliche Herzfrequenz 161bpm, 4750kCal waren verbrannt und schon nach ca. 30 Minuten konnte ich mich langsam wieder daran erinnern wie anstrengend das Sahara Race war. Zu diesem Zeitpunkt kam mir auch wieder die Frage in den Sinn - Warum mache ich das eigentlich?
Eine Frage die mich in dieser Woche lange begleitete. Eine Antwort hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Wir starteten um 09:15Uhr zur ersten Etappe auf der uns gleich nach ca. 500m die ersten 9 Flussquerungen erwarteten, die jedoch nicht so schlimm waren wie ich zunächst befürchtet hatte. Meine nassen Füße trockneten in meinen Salomon-Schuhen recht flott, so dass ich keine Probleme mit Blasen bekam. Die Strecke war bis zum 2. Checkpoint (CP) sehr schön und abwechslungsreich und verlief nach den Flussquerungen durch eine Ortschaft und eine insgesamt ziemlich bergige Landschaft. Nach dem 2. Checkpoint wurde der Untergrund dann sehr steinig und hügelig und damit insgesamt schwieriger. Zu diesem Zeitpunkt fing ich an den guten alten Pierre (the little Frenchman) wieder zu verfluchen... Zudem hatte ich nach ca. 30 Minuten Kobi hinter mir gelassen und lief die meißte Zeit alleine über eine nun ebene, steinige, heiße Einöde die mir etwas aufs Gemüt schlug. Die letzten 10km waren in der Hitze sehr ermüdend und ich war glücklich als ich nach 4h55 zusammen mit Paul Moran aus Irland als 10. über die erste Ziellinie am Ende einer kleinen Ortschaft lief. Wir beide waren auf dem letzten Kilometer kurz davor mit Krämpfen in den Beinen eine Zwangspause einzulegen. Paul hatte mich zuvor leichtfüßig kurz vor CP2 überholt, jedoch hatte ich ihn dann 2km vor dem Ziel wieder eingeholt. Dazwischen jagte mich  eine Gruppe von 4 bis 5 Läufern durch die Wüste, doch ich schaffte es mich nicht einholen zu lassen, obwohl ich nach CP3 teilweise nur noch gehen konnte. Insgesamt eine gute erste Etappe. Am besten war, dass ich im “Camp” gleich wieder essen konnte!
Ein besonderes Erlebnis war an diesem Tag außerdem, dass wir in den Häusern einiger Locals übernachteten, die uns extra ihre Unterkünfte zur Verfügung stellten. Fließend Wasser, Strom, Toiletten, Tische und Stühle oder Ähnliches sucht man in diesen Häusern vergeblich. Lediglich Teppiche auf dem Boden machen diese “Wohnhöhlen” etwas wohnlicher. Die Ortschaft war sehr interessant und man konnte sich im Schatten der Bäume und Häuser gut erholen oder sogar ein kaltes Fußbad in einem Bach nehmen. Manche setzten sich sogar in das sehr kalte Wasser. Ein Luxus den man in den folgenden Tagen so manches Mal vermisste.
Für den nächsten Tag hoffte ich mich besser hydrieren zu können und auch die Dosierung der Elektrolyte besser hinzubekommen. Ich wollte nicht wieder von Krämpfen geplagt durch die Wüste laufen. Mein Rucksack und die restliche Ausrüstung bewährte sich auf der ersten Etappe sehr gut. Die Dämpfung der Schuhe war nicht besonders, aber dafür trocknen Sie sehr schnell. Eine weitere Erkenntnis - mit einem Rucksack von 8 statt 13kg zu laufen macht wesentlich mehr Spaß - Überraschung. Mal sehen wieviel ich für das nächste Rennen noch einsparen kann.
Die emails die ich am ersten Tag schon aus der Heimat bekommen hatte, haben mich sehr motiviert. Es tut “da draußen” wirklich gut zu sehen, dass das Geschehen in der Heimat und anderswo verfolgt wird. Unser “Mad Cow mate” aus der Sahara, Mark Bishop aus Südafrika motivierte Michael Mad Cow Wellsted und mich jeden Tag aufs Neue.

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Tag 2 - 40km “Mars in der Gobi“
Kurz - Gut am Start, nicht mehr so gut nach CP2, schlecht nach CP3. Vermutlich war ich die erste Etappe doch etwas zu schnell angegangen?! Die durchschnittliche Herzfrequenz war 154bpm, ca. 4500kCal waren verbrannt, die erste Blase kündigte sich an und am schlimmsten war ein Blut unterlaufener großer rechter Zehennagel. Nein, nicht vom Laufen, sondern ein Volunteer war mir am Tag zuvor an der Finish line aus Versehen auf den Fuß getreten. Ob der Nagel wohl durchbohrt werden musste um den Druck “rauszulassen”? Eine Antwort brachte der Abend als ich im Med-Tent vorbeischaute...
Die 2. Etappe lief ich komplett gemeinsam mit Kobi der sich an diesem Tag sehr stark fühlte. Ganz im Gegenteil zu mir, zumindest ab CP2 als es wieder wirklich heiß wurde. Die Temperaturen waren ca. 35 bis 40°C. Nach 4:52h liefen wir als 10. und 11. durchs Ziel, was wieder ziemlich gut war. Ich hoffte diese Geschwindigkeit in den kommenden Tagen beibehalten zu können. Doch eigentlich wusste ich dass das vermutlich nicht gehen würde. Heute hatte mich schon kurz vor dem Ziel Lia Farley aus den USA überholt, die am Tag zuvor noch 9 Minuten nach mir ins Ziel lief. Als sie an uns vorbei lief dachte ich “wow, strong legs, hüpft wie ein Gummiball”.
Mein Magen hatte an diesem Tag, während und nach dem Lauf wieder Zicken gemacht und so konnte ich schon das Frühstück nicht essen und bekam auch während dem Lauf so gut wie keine feste Nahrung hinunter. Trinken war ebenfalls schwierig, weshalb ich kurz vor dem Ziel wieder die ersten Krämpfe bekam. Zu allem Überfluss hatte Pierre die letzten 2km noch besonders interessant gestaltet und uns über steile Hügel und enge Täler geführt. Als ich die Trommeln der Finish line hörte war ich froh.
Im Camp und in den Zelten war es Mittags sehr heiß, eine plötzliche auftretende Windhose riss einige Zelte in Fetzen und nahm außerdem Michaels aufblasbares Kopfkissen mit sich. Trotzdem ging das Rennen wie geplant weiter und ich hoffte mein Magen würde sich endlich an die Belastung, die Hitze, das Wasser und die Elektrolyte gewöhnen. Am Abend ließ ich dann gemeinsam mit Doc Lori noch den Druck aus meinem Zeh und durchbohrte meinen Zehennagel zwei Mal mit einer Kanüle. Das sieht wild aus, geht jedoch einfacher und schmerzloser als ich zunächst dachte. Damit war auch diese Frage geklärt.
Die Frage wie Deutschland gegen Polen gespielt hatte beantwortete mir Christine per email. Die Engländer im Camp konnten oder wollten sich nicht mit mir freuen... warum nur?

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Tag 3 - 40km “Das Farmland um Langerville”
Wieder ein heißer und anstrengender Tag... habe keine Herzfrequenz gemessen da es sich ohne Brustgurt wesentlich angenehmer läuft, wieder ca. 4000kCal verbrannt und 800 Höhenmeter zurückgelegt.  Neue Blasen gab es keine, die Temperatur war ca. zwischen 30 und 38°C  und die Blase unter meinem Zehen hatte sich wieder gefüllt. Trotz meiner müden Beine schaffte ich es innerhalb 5h30 als 16. ins Ziel zu kommen.
Ich startete langsam auf eine wunderschöne und gleichzeitig schreckliche 3. Etappe da meine Beine vom 1. und 2. Tag noch recht müde waren. Die ersten 10km führten durch eine Ortschaft an einem Fluss wo uns über eine lange Strecke viele Einheimische zuwinkten. Bis zum 1. Checkpoint hatte ich Sandro, einen Schweizer der in Hong-Kong lebt eingeholt. Kobi hatte sich vom Start weg langsam aber sicher aus meinem Blickfeld gearbeitet. Am 1. Checkpoint überholte ich Sandro dann mit meiner neu entdeckten “schnell die Flaschen wegwerfen und gleich weiter Taktik”. Danach führte der Kurs durch ein wild bewachsenes Flussbett mit sich anschließenden  Getreide- und Reisfeldern, ein insgesamt recht schwieriges Terrain. Nach dem 2. Checkpoint holten mich Paul aus Irland und Austin aus den USA ein mit denen ich mich dann ein schier endlos erscheinendes Tal hochkämpfte. Wieder ein Moment in dem ich Pierre nicht loben konnte. Zwischen dem 2. und 3. Checkpoint liefen wir insgesamt in einer größeren Gruppe, in der auch ein spanisches Team immer wieder Tempo machte, aber uns auf Dauer doch nicht entkommen konnte. Nach dem 3. Checkpoint traf ich irgendwann wieder auf Paul und dann auch auf Mirjana aus Kroatien, mit denen ich die letzten 5km bis zum Ziel marschierte. Auf den letzten 2km hofften wir hinter jeder Kurve endlich das Camp zu sehen oder den Klang der Trommel der Finish-Line zu hören. Nach 5h30 hatten wir es dann endlich geschafft und liefen gemeinsam durchs Ziel. Während der gesamten Etappe dachte ich immer wieder in der Ferne Kobi erkennen zu können und er war tatsächlich auch nur 4 Minuten vor uns im Ziel.
Während der ganzen 3. Etappe ging es mir nicht gut und jedes Mal wenn ich etwas essen wollte, rebellierte mein Magen. So hatte ich bis zum 3. Tag auch keines meiner 800kCal-Frühstücke angerührt. Ich hätte vorher wissen können, dass englisches  Porridge für einen deutschen Magen nicht gut sein kann... Bis zum 3. Tag schmeckte der Parmesan und die getrockneten Tomaten, doch auf Grund der Hitze beschloss ich die restlichen Portionen zu entsorgen. Mein Frühstück gab ich meinem Zeltkameraden Eric, der vom Start weg nur 1000kCal pro Tag dabei hatte und langsam aber sicher hungrig wurde.
Inzwischen hatte ich das Bedürfnis den Leuten in der Heimat unbedingt noch während der Woche mitteilen zu müssen, dass jeder der eines dieser Rennen mitmachen will unbedingt zwei Mal darüber nachdenken sollte, denn ich war mir sicher, dass ich mich schon einen Tag nach dem Rennen nicht mehr richtig an die Strapazen erinnern können würde. Ein Zitat von mir selbst aus meinem Blog - “It is a tough and painful challenge. You should know what you are doing when you decide to race out here.” Heute frage ich mich schon wieder was mich zu dieser Äußerung bewogen hat.
Mark Bishops Aufforderung vom Tag zuvor, langsamer zu laufen konnte ich leider nicht Folge leisten. Insgesamt fühlte ich mich während den Etappen doch noch immer stark genug um eine vernünftige Zeit zu laufen. Mark, der mit Michael und mir in der Sahara im selben Zelt untergebracht war und der immer einen Spaß parat hatte fehlte uns dieses Mal, denn er hatte die Gobi schon im Jahr zuvor hinter sich gebracht. Seine Unterstützung per email und im Blog half uns jedoch sehr.

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Tag 4 - 37km “Der schnelle Weg in den Himmel”
Zu Beginn der 4. Etappe kletterten wir ca. 400 Höhenmeter zum “Heaven’s Gate”, einem riesigen natürlichen Felsbogen am Ende eines sehr schmalen Tales oder eher einer Klamm. An einigen Stellen war der Weg so eng und steil, dass wir über hölzerne Leitern nach oben klettern mussten. Nach dem ersten Checkpoint führte uns der Weg dann auf und ab über 7 Bergrücken bzw. Grate und Ich hatte aufgehört die Höhenmeter zu zählen. Am Ende eines langen und heißen Tales kamen wir endlich zum 3. Checkpoint, wo der immer gut gelaunte Volunteer Eric aus Australien in einem Fluss wartete um uns bei der Durchquerung zu helfen, da die Strömung sehr stark war. Bis dahin hatte ich mit Kobi und Paul unsere Position auf Grund des schweren Terrains auch gehend halten können und konnten sogar Paolo aus Italien, einem sehr guten Läufer einholen. Nach dem 3. Checkpoint fingen wir dann wieder an für einige Kilometer zu laufen. Inzwischen sehnte ich jedoch das Ende der Etappe sehnlichst herbei, da ich wieder nichts gegessen hatte und sich mein Magen schrecklich anfühlte. Nicht einmal Wasser wollte oder konnte ich zu mir nehmen. Die letzten 3 Kilometer gingen wir durch eine  abwechselnd nasse und trockene Landschaft, vorbei an ein paar Kühen,  bis wir endlich nach 06h30 wieder in der Nähe einer Ortschaft gemeinsam ins Ziel liefen. Zu diesem Zeitpunkt waren wir alle drei froh endlich im Ziel zu sein, da wir uns während des Tages gegenseitig ziemlich angetrieben hatten und damit als 26., 27. und 28. im Ziel ankamen. Während der ganzen Woche war es unheimlich hilfreich gemeinsam mit meinen beiden Leidensgenossen durch diese “Hölle” zu gehen. Paul Moran ist 45, arbeitet als Polizist in Dublin und lief erst letztes Jahr den Dublin-Marathon in 2h50! Kobi ist 39 und lief letztes Jahr zusammen mit mir durch die Sahara, wo wir gemeinsam einen Großteil der langen Etappe gemeinsam bestritten hatten.
Die Etappe war landschaftlich sehr schön aber auch sehr anstrengend und heiß. Für den nächsten Tag befürchtete ich Probleme wegen Dehydrierung zu bekommen, da ich am 4. Tag schon nicht so viel wie nötig trinken konnte. Am Abend versuchte ich deshalb so viel wie möglich Flüssigkeit in Form von Suppe und Wasser zu “tanken”.  Für zukünftige Rennen hatte ich beschlossen auf jeden Fall mehr Nudelsuppe und Brühe mitzunehmen. Ich hatte an diesem Tag keine neuen Blasen bekommen. Die Salomon-Schuhe bewährten sich bis auf die Dämpfung.
An diesem Tag hatte ich während der Etappe viel nachgedacht. Einige meiner Gedanken waren:

  • “Warum mache ich das eigentlich?” - Eine Antwort hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
  • “Ich hätte gerne ein medium gegrilltes Rumpsteak mit Salat und Pommes im Schatten eines Baumes.” - Leider war davon weit und breit nichts zu sehen.
  • “Kann ich wie Paul einen Marathon in weniger als 3 Stunden laufen?” - zu diesem Zeitpunkt dachte ich: Niemals! Auch wenn Paul mir Startplätze in der 1. Reihe beim Dublin-Marathon im Herbst angeboten hatte.
  • “Werde ich dieses Rennen beenden?” - Die Antwort sollte ich am nächsten Tag auf der langen Etappe bekommen.

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Tag 5/6 - 78km “Der lange Marsch”
Nach einer ca. 1-stündigen Busfahrt startete die Gruppe der langsameren Läufer um 08:30Uhr auf die lange Etappe, gefolgt von uns um 11:00Uhr. Das erste Ziel war also zunächst einmal Michael und die anderen Jungs aus unserem Zelt einzuholen. Kobi, Paul und ich hatten einmal mehr ausgemacht die Etappe langsam  anzugehen. Die ersten 8km führten uns durch ein von runden Steinen übersätes Flussbett. Kurz vor dem 1. Checkpoint erwartete uns Waoter Kingma, der Photograf von RacingThePlanet für den wir ein paar Luftsprünge zustande brachten.
Nach dem 1. Checkpoint mussten wir dann wieder einige Höhenmeter zurücklegen und einem Bergpass folgen um in das nächste ausgetrocknete Tal zu gelangen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren wir die aller Letzten im Feld, doch mit der Zeit wurden wir schneller und schneller und so überholten wir noch vor dem 2. Checkpoint zwei Amerikaner, die wir an diesem Tag in Schach halten wollten um unsere Position nicht zu verlieren. Die beiden waren zu dem Zeitpunkt ca. 20 Minuten hinter uns. Ein Vorsprung, den man auf der langen Etappe leicht verlieren kann. Außerdem holten wir auch Sandro aus Hong-Kong und Mirjana aus Kroatien wieder ein.
Der Tag begann zuerst also recht viel versprechend, doch Paul und ich wurden dann nach dem 2. CP doch langsamer, da es wieder sehr heiß wurde und wir die 170 Kilometer der vorherigen Tage in unseren Beinen spürten. Auf den ersten 30km der Etappe war auch das spanische Team wieder ständig um uns, einmal vor uns, einmal hinter uns.
Am 3. CP überholten wir zwar die vier Spanier endgültig, doch dafür mussten wir feststellen, dass uns die US-boys wieder eingeholt hatten. Also erhöhten wir das Tempo wieder, holten Michael und die anderen Zeltkameraden ein und konnten uns wieder ein Stück absetzen. Die Strecke war bis dahin sehr abwechslungsreich und verlief in Richtung einer Bergkette die im Schatten einer Wolkendecke lag und uns etwas kühlere Temperaturen versprach.

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Bei 40km überholten wir einen 60-jährigen Italiener der sich mit krummem Kreuz und Schmerz verzerrtem Gesicht durch die Wüste quälte. Die Frage wie es ihm ginge fand er überhaupt nicht lustig und so ließen wir ihn hinter uns zurück. Am nächsten Checkpoint gaben wir jedoch Bescheid, dass jemand nach ihm sehen sollte. Zwischen 40 und 50km holten wir dann auch Paolo aus Italien wieder ein, der sich mit dem steinigen Untergrund nicht anfreunden konnte und zudem körperliche Probleme hatte. Wir hatten inzwischen wieder begonnen zu laufen, da laufen zu diesem Zeitpunkt weniger schmerzhaft war als gehen. Schwer zu glauben aber wahr. Paul und ich mussten zu diesem Zeitpunkt auch erkennen, dass Kobi an diesem Tag stärker war als wir und so setzte er sich langsam aber sicher von uns ab und verschwand schließlich am Horizont.
Am 5. Checkpoint hinterließ er eine Nachricht, dass es ihm Leid tat. Inzwischen bin ich mir nicht mehr ganz sicher ob er sich nicht vorgenommen hatte mir meinen Vorsprung von 15 Minuten an diesem Tag abzunehmen. Wie ich auch immer - zu diesem Zeitpunkt war ich ohnehin nicht in der Lage ihm zu folgen und wir verstanden ihn, denn wenn man sich stark fühlt, fällt es einem unheimlich schwer sich zurück zu halten.
Bei 60km wurde es langsam kühler und so ließ ich dann auch Paul zurück, da er Probleme hatte mir zu folgen und so machte ich mich alleine auf den mental anspruchvollsten Streckenabschnitt, auf dem man in allen vier Himmelsrichtungen für lange Zeit nichts als Wüste sehen konnte. Inzwischen hatte ich ein System gefunden mit dem ich mich gut am Laufen halten konnte. Während der ganzen langen Etappe benutzte ich eine Flasche für aufgelöste Elektrolyte, eine Flasche für aufgelöstes Energiegel und eine Flasche mit purem Wasser. Essen konnte ich nur ab und zu ein Stückchen Beef Jerkey (luftgetrocknetes Rindfleisch).  Gott sei Dank fand ich in meiner Tasche noch 2 weitere Gels und so konnte ich die letzten 20km fast komplett durchlaufen. Zusätzliche Motivation bekam ich als ich bei 70km hinter mir wieder 2 Striche am Horizont sah. Vielleicht Warren und Andrew aus den USA? Außerdem kamen mir Eberhards Worte wieder in den Sinn die er mir gemailt hatte: “Denk dran! Es gibt keinen Grund zu gehen!”. Richtig.
Diese 20 Kilometer waren in dieser Woche das erste Mal, dass ich mich beim Laufen richtig gut fühlte. Mein Magen machte keine Probleme und dafür, dass ich in den letzten Tagen schon 230km hinter mich gebracht hatte fühlten sich meine Beine auch noch richtig gut an. Auf den letzten Kilometern vor dem Ziel überholte ich so noch einige andere Läufer, die meißten davon waren annähernd stehend  k.o. und sahen mich verwundert an als ich an ihnen vorüber zog.
Nach 11:01:03 lief ich in Schweiß gebadet aber glücklich ins Ziel im Herzen einer Oase. Es war wieder ein großartiger Zieleinlauf mit vielen Leuten die uns dort erwarteten. Kobi war ebenfalls dort. Er war ca. 1/2h vor mir ins Ziel gelaufen und war damit nun 11 Minuten vor mir in der Gesamtwertung. Ein Abstand den ich auf der letzten kurzen Etappe vermutlich nicht wieder aufholen konnte. Paul kam 47 Minuten nach mir und 29 Minuten nach Warren und Andrew ins Ziel. Damit hatte er 3 Minuten auf der letzten Etappe aufzuholen um wieder an den beiden vorbeizuziehen. Ich war mir sicher dass er das schaffen konnte.

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Die Frage ob ich das Rennen beenden würde war nun also beantwortet. Ich hatte es geschafft. Und dieses Mal sogar ca. 5,5h schneller als in der Sahara und noch vor der Dunkelheit im Ziel. Ein Ergebnis mit dem ich zufrieden war und noch immer bin. Es ist schwierig die Gefühle beim Überschreiten der Finish-Line nach 76 Kilometern laufen, gehen, stolpern, schwitzen und heulen durch diese brutale Wüste zu beschreiben, die es zwischen 50 und 70km war. Der Rest davon war nicht viel besser. Jedenfalls zolle ich jedem Respekt, der es geschafft hat, dieses Rennen zu beenden, denn wir haben alle einmal mehr unsere athletischen Grenzen erfahren oder viel mehr neu definiert. Die letzte Etappe schien nach den zurückgelegten 135 Kilometern unschwierig oder wie der Engländer sagt, a piece of cake.

Tag 7 - 15km “Die letzten Schritte zur Gruft in Kashgary“

Die letzte Etappe führte über 15km wieder durch ein teils trockenes, teils nasses Flusstal und eine Häuseransiedlung. Kurz nach dem Start musste ich feststellen, dass an diesem Tag nicht mehr viel möglich sein würde. Sogar Läufer, die ich während der ganzen Woche nicht vor mir gesehen hatte waren an diesem Tag schneller gestartet als ich und ich hatte Mühe mitzuhalten. Nach ca. 3km stellte ich fest, dass ich zwar schneller als Kobi war, aber nur unwesentlich und so hatte ich beschlossen gemeinsam mit ihm ins Ziel zu laufen. Die Finish-Line war in einer großen Schule, in der uns viele Kinder Spalier standen und uns mit Fähnchen in den Händen laut kreischend empfingen. Gemeinsam mit Kobi lief ich nach 01h25 ins Ziel. Keine schlechte Zeit für 15km am Ende eines solchen Laufes. Paul hatte es sogar geschafft die Etappe mit den Topläufern zu laufen und war in unglaublichen 01h06 im Ziel und hatte damit am Ende einen Vorsprung von 23 Minuten auf Warren und Andrew herausgelaufen. Meine Gesamtzeit war damit 34:24:08 was insgesamt den 14. Platz ergab.

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Nachdem wir uns an der Finish-Line mit Sandwiches, Bier und Cola gestärkt hatten ging es dann in Bussen zurück ins Hotel nach Kashgar, wo wir uns erst einmal noch ein kühles Bier genehmigten.  Meine Füße und Zehen taten ziemlich weh und ich war mir sicher dass ich 1 oder 2 Zehennägel verlieren würde. Es wird bei einem bleiben. Ansonsten hatte ich das Rennen jedoch insgesamt körperlich recht gut überstanden und so dachten wir im Hotel gleich über zukünftige Läufe nach...  Atacama oder Namibia?
Nach einer ausgiebigen Dusche machten wir uns noch auf den Weg um einen Bazar in Kashgar zu besuchen und um etwas zu essen. Am Abend konnten wir uns dann beim Bankett zur Siegerehrung die Bäuche ebenfalls noch mal vollschlagen und abschließend eine großartige Photo- und Videoshow der letzten Woche ansehen. Insgesamt wieder ein gelungener Abschluss einer anstrengenden aber intensiven und schönen Woche die uns allen lange in Erinnerung bleiben wird.

Fazit

  • Eine gute Vorbereitung lohnt sich immer.
  • Ein Großteil des Laufes passiert im Kopf.
  • “Es gibt keinen Grund zu gehen.” (Eberhard Frixe)
  • Warum tue ich das? Vielleicht... um die Grenzen meiner Möglichkeiten auszuloten und gleichzeitig etwas für einen guten Zweck zu tun. Eine endgültige Antwort habe ich hoffentlich am Ende der 1000km.

Als nächstes?

Dank -
An alle die mich vor, während und nach dem Lauf unterstützt haben. Ihr habt mich zum und durchs Rennen und ins Ziel gebracht!

  • Christine für Ihr Verständnis und Ihre Unterstützung während dem Training.
  • Christine, Mama, Thommy, Thomas, Juliane, Till, Rainer, Martin Harry und Klaus-Dieter, Emma und Dave und alle anderen für all die emails und Kommentare im Blog während der Woche.
  • Pit für viele gute Trainingseinheiten
  • Eberhard und Mark für eure besonders motivierenden Worte.

Besonderen Dank auch an alle die eine Spende an die Deutsche Krebshilfe geleistet haben. Ich werde den aktuellen Spendenstand in ca. 4 Wochen unter www.fclechner.de/html/1000km_gegen_krebs.html aktualisieren. Es kann auch weiterhin gespendet werden Die Aktion läuft bis ich die 1000km zusammen habe.

Vielen herzlichen Dank nochmals!
Frederik.

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