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Chile, Santiago 2008 - 009Chile 2008 - Bergsteigen bei San Pedro de Atacama

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Bergsteigen bei San Pedro de Atacama

Montag - Volcan Lascar (5620m)

Nachdem ich während der Atacama Crossing mit Xavier Aguilera, unserem Course director und Williams Horstmeier, unserem Fahrer darüber gesprochen hatte, dass ich noch eine Woche zum Bergsteigen bleiben würde bot Williams an mich noch auf den einen oder anderen Vulkan zu begleiten. Nach einigen Diskussionen mit den beiden Guides aus San Pedro de Atacama musste ich schnell einsehen, dass die Besteigung der Berge in dieser Gegend leider nicht so einfach ist wie in unseren schönen Alpen. Über 5000m in dieser Gott verlassenen Gegend muss man sich gut auskennen um nicht irgendwo mit dem Auto stecken zu bleiben oder in ein Minenfeld an der Grenze zu Bolivien oder Argentinien zu geraten. Außerdem kennen die beiden die schönsten Plätze und Berge in der Umgebung um San Pedro. Thomas Bohne, ein weiterer Volunteer aus Deutschland kam ebenfalls noch eine Woche mit und so starteten wir am Montag morgen mit Williams in Xaviers Toyota Hilux zu unserem ersten Ziel, dem aktiven Volcan Lascar mit 5620m.

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Der Weg von San Pedro führte uns ca. 20km südwärts entlang der Salar de Atacama bis wir ostwärts die offizielle Straße verließen und auf einer Schotterpiste langsam Höhe gewannen. Dort sahen wir die ersten vereinzelten Lamas die auf dem dürren Gestrüpp der Atacama Wüste kauten. Williams erklärte uns, dass man aus dem einen oder anderen Strauch Tee kochen kann, der u.a. gut gegen Übelkeit in der Höhe wirkt. Am Abend probierten wir das gleich aus. Aus der Ferne konnten wir schon gut die Rauchfahne des noch aktiven Vulkans Lascar erkennen, der zuletzt 2007 ausgebrochen ist. Williams versicherte uns jedoch dass wir zur Zeit nicht in Gefahr wären, sehr beruhigend. Als wir über die 3500m kamen wurde es langsam deutlich kälter und windiger, doch wenigstens die Sonne schien ununterbrochen und bescherte uns einen strahlend blauen Himmel. Auf dem weiteren Weg sahen wir auch schon unser zweites Ziel, den Vulkan Chiliques den wir am nächsten Tag besteigen wollten.

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Auf einer großen Ebene zwischen den Vulkanen Chiliques und Lascar sahen wir einige PeWir erreichten den Fuß des Vulkans am Mittag wo wir unser heißes Gefährt abstellten, uns winddicht einpackten und uns auf den Weg zum Gipfel machten. Schnell wurde uns bewusst, dass Höhenbergsteigen nicht dasselbe ist wie Laufen oder Wandern in den Alpen. Die dünne Luft, der Wind und die Sonne waren schnell zu spüren. Meine neue Lamamütze zahlte sich schnell aus. Ich fühlte mich trotz der ungewohnten Höhe gut und erreichte den Rand des Kraters gegen 16:00Uhr von wo aus ich einen faszinierenden Einblick in den ständig qualmenden Schlund hatte.

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In der Ferne konnte ich den bekannten Volcan Licancabur erkennen. Vom Kraterrand hielt ich einen gebührlichen Abstand da mich Williams vor den schwefelhaltigen Gasen gewarnt hatte. Vom Gipfel aus konnte man in der Ferne die Laguna Lejia erkennen.

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Der Abstieg verlief schnell und ich holte Williams irgendwo in der Mitte des Berges wieder ein. Am Auto trafen wir Thomas der sich noch nicht ganz an die Höhe gewöhnt hatte. Nichtsdestotrotz war unsere Akklimatisierung während des Rennens nicht schlecht und so machten wir uns auf den Weg zu unserem ersten Camp am Fuß des Vulkans Chiliques. Wie sich herausstellte war Williams hervorragend vorbereitet. Das Camp auf ca. 4700m war schnell aufgebaut, Nudeln gekocht und der Hunger gestillt. Der von Williams gekochte Tee aus den vorher erwähnten Sträuchern tat gut und beruhigte den Magen. Beinahe genauso schnell kam jedoch auch die Dunkelheit und damit die Kälte, so dass wir uns in unsere Zelte verkrochen und versuchten zu schlafen. Besonders viel Schlaf fanden wir jedoch bei der Kälte und der dünnen Luft nicht.

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Dienstag - Volcan Chiliques (5778m)

Für den 2. Tag stellten wir den Wecker auf 04:30Uhr um nach einem kurzen Frühstück gegen 05:00Uhr noch vor Sonnenaufgang aufzubrechen. Es war bitterkalt, so dass nicht einmal die Temperaturanzeige an unseren Uhren funktionierte. Wir packten uns in alle verfügbaren Shirts, Fleece und Jacken und sehnten uns nach der aufgehenden Sonne. Auf dem Weg mussten wir schnell feststellen, dass dieser Berg einer ganz anderen Kategorie als der Volcan Lascar zugehört. Weit und breit waren keine Spuren oder Wege erkennbar. Die aus der Ferne klein wirkenden Steine waren aus der Nähe betrachtet plötzlich kniehohe Felsbrocken und die Steigung war steil, so dass wir nur sehr langsam vorankamen.

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Thomas fühlte sich an diesem Tag viel stärker als Williams und ich und ging voraus. Von Zeit zu Zeit blieb ich stehen um den mit der zunehmenden Höhe immer faszinierender werdenden Blick zu genießen. Bei der dünnen Luft und dem absolut klaren Wetter konnte man viele Kilometer weit sehen. Am Horizont war hinter dem Volcan Lascar wieder der berühmte Licancabur erkennbar. Über 5300m wurden die Felsbrocken immer größer und ein Weg nach oben immer schwieriger zu finden. Gegen Mittag war mir nach Umkehr zumute. Williams betonte immer wieder dass wir unser großes Ziel über 6000m am Donnerstag nicht vergessen duften.

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Trotzdem gingen wir noch ca. 2 Stunden weiter. Auf der Ebene zwischen Chiliques und der Laguna Lejia konnten wir einen schwarzen, sternförmigen Krater erkennen, zu dem mir Williams erklärte, dass er durch eine unterirdische Explosion entstanden ist. Nachdem der Gipfel in den letzten Stunden scheinbar kaum näher gekommen war beschlossen wir gegen 14:00Uhr auf ca. 5600m umzukehren. Thomas folgte uns ebenfalls. Den Weg nach unten zu finden war auf diesem Geröllhaufen nicht einfach und so mussten wir das eine oder andere Mal steilen Abbrüchen ausweichen.

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Nach einem kurzen Vesper beim Camp machten wir uns dann auf den Rückweg nach San Pedro, wo wir am von Dienstag auf Mittwoch eine kurze Erholungspause machen wollen um am Nachmittag zu unserem nächsten Ziel aufzubrechen. Aus der Entfernung fragten wir uns beim Anblick von Chiliques warum wir es nicht geschafft hatten bis zum Gipfel zu kommen. Wir konnten erkennen, dass nicht viel gefehlt hatte.

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Mittwoch - San Pedro und Base Camp Volcan Pili

Zurück in San Pedro suchten wir uns ein günstiges Hostal und genehmigten uns noch ein leckeres Steak zusammen mit Williams. Am Mittwoch morgen war nochmal Gelegenheit durch die Stadt zu schlendern und die Kirche mit ihrem Holzdach aus Kakteenholz zu bewundern. Auf dem Markt versorgten wir uns noch mit etwas Obst und Minzsalbe die unter der Nase wunderbar wirkt.

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Unser nächstes Ziel erreichten wir ostwärts über den Paso de Jama der von Chile auf über 4000m nach Argentinien führt. Während einer Rast stellten wir fest, dass die Seen an der Oberfläche gefroren waren. Die dort lebenden Vicunas schien das nicht weiter zu stören. Lediglich wir mit unseren Kameras stellten wohl eine Gefahr dar, so dass wir leider nicht näher an die scheuen Tiere herankamen.

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Nach ca. 1,5 Stunden Fahrt verließen wir die Straße und fuhren entlang der Salar de Puisa, einem in bunten Farben gefärbten Salzsee an dem zahlreiche Flamingos (Flamencos) leben. In der Ferne konnten wir schon unser nächstes Ziel sehen, den 6046m hohen Volcan Pili. Der Kontrast des blauen Himmels mit den rotbraunen Bergen, der schneeweißen Salzebene und dem karminroten Salzsee war wunderschön. Die majestätisch im eiskalten Wasser stehenden Flamencos bewunderten wir einige Zeit.

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Der Weg zum Camp war steinig und schwer zu finden. Ich bewunderte wie sicher Williams den alten Toyota durch das unwegsame Gelände bewegte ohne stecken zu bleiben. An manchen Steigungen dachte ich, dass es nicht mehr weiter gehen würde und wir vermutlich einige Zeit da draußen verbringen mussten. Trotzdem erreichten wir wieder vor Sonnenuntergang unser Camp wo wir auf Grund der Kälte und dem geplanten frühen Start am nächsten Morgen nach einem schnellen Abendessen wieder unsere kalten Betten bezogen. Ich fand selten so wenig Schlaf wie in dieser Nacht.

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Donnerstag - Volcan Pili oder Cerro Acamarachi (6048m)

Um 03:30Uhr klingelten unsere Wecker, so dass wir um 04:00Uhr in der eiskalten Dunkelheit zu unserem Ziel auf 6048m aufbrachen. Unser Camp lag auf ca. 4800m, so dass wir also ein sportliches Tagespensum von über 1200 Höhenmetern vor uns hatten. Still folgten wir Williams über rießige Gesteinsbrocken. Unsere Stirnlampen wiesen uns für die nächsten 50m den Weg. Nach einer Stunde kündigte sich die Sonne am Horizont an und als wir endlich die ersten Sonnenstrahlen zu spüren bekamen waren wir froh denn es wurde schnell wärmer, auch wenn es in dieser Höhe den ganzen Tag nicht richtig warm wird.

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Als wir auf ca. 5300m das Zwischenplateau an der Nordflanke erreichten fühlte ich mich schlecht und musste eine kurze Pause machen. Nach einer Cola und 5 Minuten Schlaf gingen wir weiter. Die vor uns liegende Strecke war steil und voller Geröll. In Serpentinen gingen wir langsam weiter.

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Mit der zunehmenden Höhe wurde die Aussicht immer besser. Es schien als ob man die dünne Luft sehen konnte. Williams und ich machten auf dem Weg nach oben immer wieder Pausen um Atem zu finden und die Aussicht zu genießen. Thomas war an diesem Tag wieder gut drauf und ging voran. Auf ca. 5800m dachten wir ab und zu wieder darüber nach umzukehren, doch gegen 13:00Uhr erreichten wir dann endlich den Kraterrand auf ca. 5950m. Zuvor hatten wir mühsam unseren Weg durch eine Rinne voller Geröll gesucht. Schon lange bevor wir oben waren konnte ich ein kleines Schneefeld erkennen, das ich am Tag zuvor aus der Ferne photographiert hatte.

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Nach einer weiteren halben Stunde erreichten wir dann endlich den tatsächlichen Gipfel auf 6048m wo wir uns umarmten und beglückwünschten. Für Williams war es ebenfalls das erste Mal, dass er selbst diesen Gipfel bezwungen hatte. Der letzte Eintrag im Gipfelbuch war vom Februar von einem uns gut Bekannten, Xavier. Die sonstigen Einträge waren sehr spärlich und mir wurde klar, dass dieser Gipfel noch seltener bestiegen wird als ich zunächst dachte. Trotz der Abgeschiedenheit hatte Williams Empfang mit seinem Handy und rief Xavier in Santiago an der uns beglückwünschte und überrascht war, dass wir es geschafft hatten. Der Blick in die Umgebung war atemberaubend. Der ca. 50km entfernte Volcan Lascar war absolut klar zu sehen.

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Am Horizont war auch wieder an der Grenze zu Bolivien der bekannte Licancabur zu sehen. Williams machte ebenfalls noch eine Eintragung im Gipfelbuch bevor wir uns wieder auf den Weg nach unten machten. Gegen 14:30Uhr starteten wir unseren Abstieg durch die steile Rinne durch die wir gekommen waren. Das weiche Geröll das wir auf dem Weg nach oben verflucht hatten war auf dem Weg nach unten trotz der Steilheit schnell zu durchqueren und so waren wir schnell wieder Nahe dem Zwischenplateau.

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Nach einer weiteren Stunde erreichten wir über große Gesteinsbrocken wieder unser Camp, das wir schnell abbauten und uns noch am Abend auf den Rückweg nach San Pedro machten. Noch eine Nacht wie die vorherige wollten wir uns nicht antun. Auf dem Paso de Jama genossen wir zu den Klängen des knatternden Toyota und Manu Chao den langen Sonnenuntergang.

Freitag - San Pedro

Nach einem guten Steak, Kartoffeln und Rotwein genossen wir die Nacht wieder in einem Bett auf normaler Höhe. Das Frühstück in der Hostal erwies sich wieder als äußerst spartanisch, so dass wir zum Mittagessen erst einige Portionen Pollo Assado (lecker gewürztes Hühnchen) und Pommes kauften und gemeinsam mit Williams und seiner Familie zu Mittag aßen. Bei anschließendem Kaffee und Wasser im Schatten sammelten wir wieder Kraft, so dass uns am Nachmittag wieder leicht langweilig war und wir beschlossen noch um San Pedro etwas laufen zu gehen.

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Von San Pedro aus liefen wir in das Selbe Tal durch das eine Woche vorher die Atacama Crossing geführt hatte. Wir erklommen den Selben Pass um auf ein Plateau zu kommen, von dem aus man eine wunderschöne Sicht über die Salar de Atacama und San Pedro hat. Die Dünen zu denen sonst Touristen zum Sandboarden kommen liefen wir etwas übermütig hinunter. Nach 2 Stunden waren wir wieder zurück in San Pedro.

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Den letzten Abend verbrachte ich nochmal mit Williams und seinen Kleinen in einem schönen Restaurant in der Mitte San Pedros bevor wir uns verabschiedeten. In den zwei Wochen in und um San Pedro konnte ich Chile und seine gastfreundlichen Einheimischen kennenlernen. Thomas und ich hatten in der Zeit viele gute Freunde gewonnen.

Wer weitere Infos zur Gegend um San Pedro und zum Bergsteigen dort haben möchte kann mich gerne kontaktieren -> Kontakt . Williams und Xavier kann ich als Guides sehr empfehlen. Wer einen interessanten und günstigen Urlaub im Hochgebirge sucht ist bei den beiden gut aufgehoben.

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